Wie Lacrosse versucht, in Österreich populär zu werden und was es mit der „Lacrosse-Familie“ auf sich hat, hat „Punkt“ bei einem Schnuppertraining erfahren.
Es ist kurz vor 19.00h in der Otto-Glöckel-Schule im dreizehnten Wiener Gemeindebezirk. Hier haben viele Prominente die Schule besucht, unter anderen Bundespräsident Heinz Fischer oder Rapid-Torwart Helge Payer. Heute nach 19.00 Uhr wird im dem ehrwürdigen Gebäude weder Deutsch noch Mathematik gelehrt, das Lacrosse Damenteam Vienna Cherokees, der erste Österreichische Lacrosse-Damen-Meister, absolviert das Herbsttraining in der Turnhalle. An die zehn Mädchen und Frauen werden von einem irischen Collegetrainer unterrichtet. „Normalerweise haben wir eine TrainerIN, aber da die erst vor kurzem Mutter wurde, haben wir heute ausnahmsweise einen Coach aus dem Ausland. Der soll richtig gut sein.“, erzählt eine Spielerin.
Quelle: Cherokees
Die Lacrosse-Familie kennt keine Rivalität zwischen den Teams - außer auf dem Platz.
Lacrosse ist ein altes indianisches Spiel, das noch immer Teil der Kultur der Einheimischen in Nordamerika ist. Gespielt wird mit einem Crosse, der wie ein Fischernetz aussieht, und einem Hartgummiball. Der Ball wird zwischen den Feldspielerinnen hin- und hergepasst und versucht in ein Tor zu befördern, das dem des Eishockeys gleicht. „Lacrosse ist eigentlich eine Mischung aus Eishockey und Handball“, erklärt eine Feldspielerin „Punkt“, „Eishockey deswegen, weil man auch hinter dem Tor spielen darf und Handball deshalb, weil es einen gewissen Bereich vor dem Tor gibt, den man nicht betreten darf.“ Bei den Männern ist voller Körpereinsatz erlaubt, deshalb tragen männliche Spieler auch eine Schutzausrüstung, die der des American Football gleicht. Frauen müssen ohne Körperkontakt auskommen und tragen deshalb nur einen Zahnschutz.
In Österreich etablierte sich Lacrosse erst in den letzten sieben Jahren und steckt noch immer in den Kinderschuhen. Dazu Daniela Dürr, Leiterin des Österreichischen Lacrosse Verbandes (ÖLaxV) und Spielerin bei den Vienna Cherokees: „Es herrscht vor allem ein Nachwuchsproblem. Es gehen die Spieler und Spielerinnen zwar immer wieder in den Turnunterricht von Schulen, um die Sportart populärer zu machen, aber bis solche Aktionen fruchten braucht es Zeit.“
„Ball! Ball! Ball!“, tönt es aus der Turnhalle. Ständig brüllt es die Verteidigerin ihrem offensiven Gegenüber ins Gesicht, um sie einzuschüchtern. „Man braucht zirka ein halbes Jahr damit man das Werfen und Fangen beherrscht“, erklärt eine Cherokees-Spielerin „Punkt“. Tatsächlich ist es am Anfang ein wenig deprimierend, wenn der Ball am Crosse vorbeisaust und gegen die Wand kracht. Dennoch motivieren die „Super gemacht!“-Rufe vom Rand, wenn man dann tatsächlich fängt umso mehr. „Das Klima im Team ist einfach Wahnsinn. Es gibt keinen Zickenterror und keine Eifersucht. Vielleicht liegt es daran, dass das Alter der Spielerinnen so unterschiedlich ist“, sagt Daniela Dürr. Das Alter im Team variiert zwischen 18 und 40 Jahren.
Quelle: Cherokees
Mit viel Schwung und Kraft landet der Ball schließlich im Tor.
Im offiziellen Folder des ÖLaxV ist zu lesen: „Lacrosse ist wie eine große Familie.“ Wie macht sich das bemerkbar? Dazu Dürr: „Man unterstützt sich gegenseitig teamübergreifend und zieht an einem Strang. Schließlich will man gemeinsam den österreichischen Lacrosse-Sport bekannt machen.“ Ein wichtiger Schritt dazu sei bereits getan: „Im August diesen Jahres nahm Österreich zum ersten Mal mit einem Herren- und einem Damenteam an der Europameisterschaft in Finnland teil.“ Damit war das größte sportliche Ziel des Lacrosse-Verbands erreicht: genug Spieler zu organisieren, um eine Mannschaft stellen zu können.
Wer nun Lust auf Lacrosse bekommen hat: jeden Montag zwischen 19.15 und 21.00 Uhr wird in der Otto-Glöckel-Schule auf Mathematik- und Deutschunterricht verzichtet und Lacrosse hält Einzug in die Turnhalle. Nähere Infos im Netz unter http://www.vienna-cherokees...